Die WM in Aarhus - Zusammenfassung

Fabian Hambüchen und Philipp Boy verpassen bei der WM die Reckstange
Das Lieblingsgerät als Problemfall
Deutsche Riege landet auf dem siebten Platz - China gewinnt vor Russland
 
 Es ist das Lieblingsgerät von
 Fabian Hambüchen, aber
 langsam entwickelt sich das
 Reck zum Stolperstein. Zum
 zweiten Mal griff der Gymna-
 siast bei der Turn-WM an der
 Stange vorbei. und wenn der
 Jungstar patzt, reicht es eben
 nicht für eine Medaille. Es
 blieb der gute siebte Platz.
AARHUS. Sein Lieblingsgerät bringt Fabian Hambüchen in Aar- hus weiterhin kein Glück. Beim Mannschafts-Finale der Kunstturn- Weltmeisterschaften hat der letzt- jährige Europameister zum zweiten Mal binnen 48 Stunden an der Reck- stange vorbeigegriffen. Damit wa- ren die ohnehin vagen Medaillen- chancen der deutschen Riege da- hin. Am Ende stand mit 270,025 Punkten ein siebter Platz vor 3000 Zuschauern zu Buche. Wie schon bei der Qualifikation am Sonntag wurde Hambüchen der Kolman-Salto zum Verhängnis. Der Gymnasiast von der TSG Niedergir- mes berührte zwar noch mit den H#nden das Metall, konnte aber nicht mehr richtig zupacken. So blieben dem 18-Jährigen am "Kö nigsgerät" nur enttäuschende 14,600 Punkte. Nach diesem doppelten Reck-Pat- zer - zuvor hatte auch der ebenfalls 18 Jahre alte Philipp Boy aus Cott- bus dieses Gerät vorzeitig verlassen müssen - hatten die Schützlinge von Cheftrainer Andreas Hirsch mit der Entscheidung nichts mehr zu tun. In einem hochspannenden Fi- nale behielt am Ende Titelverteidi- ger China mit 277,775 Punkten vor Ex-Weltmeister Russland (275,400) und Olympiasieger Japan (274,800) die Oberhand. Drei Geräte lang hatte das Team des Deutschen Turner-Bundes (DTB), in der Ausscheidung auf Rang sechs platziert, sogar mit Edel- metall liebäugeln können. Nach soli- den Durchgängen an den Ringen und beim Sprung kämpfte man sich
 
 Hambüchen an den Ringen
  
 
 zwischenzeitlich bis auf den dritten
 Platz vor, ehe kleinere Fehler am
 Barren von Marcel Nguyen aus Un-
 terhaching und dem Stuttgarter
 Thomas Andergassen eine schwä-
 chere Phase einläuteten.
   Am Boden allerdings konnte sich
 Hambüchen eindrucksvoll für sei-
 nen Lapsus rehabilitieren. Für seine
 Weltklasseübung erhielt er Szenen-
 applaus des Publikums, sichtlich ge-
 rührt verabschiedete er sich von sei-
 nen zahlreichen Fans.
   Während Hambüchen und Co.
 ihre Position trotz ihrer Fehler in
 der erweiterten Weltklasse behaup-
 ten konnten, ging die sportliche Ent-
 wicklung der Frauen-Riege nicht
 weiter. Trotz des Debüts der frisch
 eingebürgerten Oksana Tschussowi-
 tina (Köln) reichte es nur zu Rang
 16, drei Plätze schlechter als beim
 letzten weltweiten Kräftemessen
 2003 in Anaheim. Bei der WM 2007
 in Stuttgart muss man mindestens
 Zwölfter werden, um eine Mann-
 schaft zu Olympia 2008 in Peking
 entsenden zu dürfen. Nun hoffen
 die verletzungsgeplagten Deut-
 schen auf die Nachwuchs-Riege um
 die Tübingerin Marie-Sophie Hin-
 dermann, die im kommenden Jahr
 bei den Aktiven angreifen dürfen.
   Ohne Tschussowitina wären die
 Welttitelkämpfe für die deutschen
 Kunstturnerinnen schon beendet
 gewesen. Doch sie qualifizierte sich
 sowohl für das Mehrkampf-Finale
 am morgigen Donnerstag (19.30
 Uhr) als auch für die Entscheidung
 beim Sprung am Freitag (19 Uhr/
 live bei Eurosport) mit bemerkens-
 werter Leichtigkeit.
   Die absolute Weltklasse aller-
 dings ist um Lichtjahre enteilt, wie
 die Qualifikation bewies und das
 Mannschafts-Finale am heutigen
 Mittwoch (19 Uhr/Eurosport) er-
 neut dokumentieren wird. 222,125
 Punkte erturnte die deutsche Riege,
 das US-Team kam auf 243,325 Zäh-
 ler, gefolgt von China (239,525) und
 der Ukraine (235,025). sid
  
(Auszug: Südwestpresse Tageszeitung - Ausgabe vom 18. Oktober 2006)