Spiridonow verhindert die totale Medaillenflaute

Eugen Spiridonow verhindert die totale Medaillenflaute bei der EM
Von Silber völlig überrascht
 
 Fast wäre der Auftritt der
 deutschen Kunstturner bei
 der EM in Volos völlig in die
 Hose gegangen. Doch ges-
 tern verhinderte Eugen Spiri-
 donow mit Silber am Seit-
 pferd die totale Medaillen-
 flaute. Zumindest lassen die
 erfolgreichen DTB-Junioren
 für die Zukunft hoffen.
VOLOS. Auch mit "Kapitän" Fa- bian Hambüchen an Bord hätten die deutschen Kunstturner in der griechischen Hafenstadt Volos bei- nahe Schiffbruch erlitten. Die totale Medaillenflaute verhinderte ausge- rechnet Außenseiter Eugen Spirido- now, der am Seitpferd als Zweiter die einzige Medaille holte. Die Riege des Deutschen Turner-Bun- des (DTB) jedoch setzte im wichti- gen Mannschafts-Wettkampf die Talfahrt der vergangenen Jahre fort, Rang sieben war die schlechteste Platzierung in der Team-Entschei- dung seit zwölf Jahren. Doch das konnte die Freude des in Russland geborenen Zeitsolda- ten Spiridonow in keiner Weise trü- ben. "Das ist meine erste internatio- nale Medaille überhaupt. Nachdem andere Turner Fehler gemacht hat- ten, wusste ich, dass ich eine Chance habe", berichtete der Wahl- Saarländer, der seit 2001 in Deutsch- land lebt. Noch bei der Siegereh- rung ging der 24-Jährige davon aus, Dritter geworden zu sein und be- stieg das falsche Treppchen. Vor lau- ter Glückseligkeit hatte er gar nicht mitbekommen, dass die Übung von Titelverteidiger Krisztian Berki aus Ungarn nachträglich abgewertet worden war. Spiridonow: "Wir ha- ben vor der EM besonders viel am Seitpferd trainiert, jetzt hat es sich endlich gelohnt." Die europäischen Titelkämpfe verdeutlichen aber, dass das Ge-
 
 samtbild der deutschen Gerätartis-
 ten mit den Leistungen von Fabian
 Hambüchen steht und fällt. Der
 WM-Vierte konnte seinen Titel am
 Reck nicht verteidigen, patzte im
 Mannschafts-Finale erneut am "Kö-
 nigsgerät", motivierte seine Team-
 kollegen unmittelbar danach je-
 doch mit einer Weltklassekür am Bo-
 den. "Insgesamt hält sich mein Är-
 ger in Grenzen, denn Volos ist letzt-
 lich nur eine Station auf dem Weg
 zu Olympia 2008 in Peking", analy-
 sierte der 18-Jährige.
   Und so nahm der Olympia-
 Siebte von der TSG Niedergirmes
 auch nicht krumm, dass es auch am
 Schlusstag nicht mehr zu Edelme-
 tall reichte. Beim Sprung erkämpfte
 sich der deutsche Mehrkampf-Meis-
 ter mit zwei sehenswerten Flügen
 über den Sprungtisch einen verdien-
 ten fünften Platz. Rang Sieben war
 das Schlussresultat für den Hessen
 am Barren. Nicht unerwartet gin-
 gen, Spiridonow ausgenommen,
 auch Hambüchens Teamkollegen
 in Volos leer aus. Der Stuttgarter
 Thomas Andergassen kam an den
 Ringen ebenso auf den achten und
 letzten Platz wie am Seitpferd Ro-
 bert Juckel aus Cottbus.
   Andergassen, Juckel sowie Mann-
 schaftsturner Robert Weber aus
 Hannover müssen sich spätestens
 im kommenden Jahr auf erhebliche
 Konkurrenz einstellen, wenn es um
 die Plätze in der deutschen Riege
 für die WM 2007 in Stuttgart geht.
 Denn die DTB-Junioren gewannen
 in Griechenland erstmals den
 Team-Wettbewerb, im Mehrkampf
 erturnte sich der Chemnitzer Max
 Finzel die Bronzemedaille. Und mit
 insgesamt zwei Gold-, einer Silber-
 und einer Bronzemedaille avan-
 cierte Steve Woitalla aus Cottbus so-
 gar zum erfolgreichsten EM-Nach-
 wuchsturner insgesamt. sid
(Auszug: Südwestpresse Tageszeitung - Ausgabe vom 8. Mai 2006)