Spiridonow überrascht bei der EM

Ex-Russe Spiridonow ist die Überraschung der EM
Oma Degenhardt sei Dank
 
 Kaum einem ist der unschein-
 bare Eugen Spiridonow wäh-
 rend der Kunstturn-EM auf-
 gefallen, bis er am Seitpferd
 über sich hinauswuchs. Jetzt
 will der Ex-Russe angreifen.
VOLOS.Silber oder Bronze, über die Verwirrung um seine Platzie- rung noch während der Siegereh- rung konnte Eugen Spiridonow nur schmunzeln. "Ich war froh, überhaupt das Finale erreicht zu ha- ben", sagte der als zweitbester Seit- pferdturner Europas dekorierte Zeit- soldat und berührte seine Silberme- daille ganz, ganz vorsichtig mit sei- nen vom jahrelangen Training ge- schundenen Fingerspitzen. Im Gegensatz zu Medienliebling Fabian Hambüchen, der gerne mit seinen außergewöhnlichen Talen- ten spielt, ist der im russischen Tscheljabinsk geborene Blond- schopf ein in sich gekehrter Arbei- ter, an dem Fans und Journalisten bei den Europameisterschaften in Volos fast achtlos vorbeiliefen. Bis er die Gunst der Stunde nutzte und mit einer gelungenen Übung die Favo- riten - mit Ausnahme des Rumänen
 
 Falvius Koczi - allesamt düpierte.
   Spiridonow stand schon auf dem
 Treppchen des Drittplatzierten, da
 wurde die Note von Krisztian Berki
 (Ungarn) nachträglich nach unten
 korrigiert, und plötzlich grüßte der
 24-Jährige als Vize-Europameister
 das Publikum und sagte fast schüch-
 tern: "Es ist meine allererste interna-
 tionale Medaille, da war mir die
 Farbe ganz egal." Dass er 2001 als
 russischer Junioren-Meister am Bo-
 den seine Heimat verlassen durfte
 und vier Jahre später einen deut-
 schen Pass erhielt, hat der Familien-
 vater seiner deutschen Oma Degen-
 hardt zu verdanken. "Weil es sie
 gab, konnte ich nach Deutschland
 kommen", berichtet der Athlet, der
 für den TV Bous (Saarland) startet.
   Sechs bis acht Stunden täglich
 trainiert "Spiri" im Leistungszen-
 trum Stuttgart. Intensive Sprach-
 kurse beanspruchten im vergange-
 nen Jahr den größten Teil seiner
 Freizeit. Deutsch spricht er nun flie-
 ßend, im Sport hat er ein neues gro-
 ßes Ziel: "Bei der WM in Aarhus will
 ich im Mehrkampf mindestens
 Platz acht erreichen." dpa/sid
(Auszug: Südwestpresse Tageszeitung - Ausgabe vom 9. Mai 2006)