Hambüchen's Träume von einer Medaille

Träumen ist erlaubt...
  
   Fabian Hambüchen (19) ist der Star des
   deutschen Turnens und gleichzeitig die
   größte Hoffnung für die Weltmeisterschaft in
   der Stuttgarter Schleyerhalle (bis 9. Septem-
   ber). In Sonntag Aktuell schreibt der Reck-
   Europameister über sich und die
   (Turn-)Welt.


   Wir sind in Stuttgart. Endlich. Am Freitag-
   abend haben wir gleich mal einen echten
   Vorgeschmack darauf bekommen, was uns
   am Dienstag bei unserem Qualifikations-
   wettkampf erwartet. 2500 Zuschauer beim
   Podiumstraining, bei dem es eigentlich um
   gar nichts ging. Das gab's noch nie bei einer
   WM. Wahnsinn.

     Das Podiumstraining ist so etwas wie die
   Generalprobe. Die gleiche Tageszeit, die
   gleichen Geräte, alles wie beim richtigen



   
   
 
   Wettkampf. Und die Kampfrichter sind auch
   schon in der Halle. Da kann man schon mal
   Eindruck schinden und zeigen, was man
   drauf hat. Als Team haben wir einen ordent-
   lichen Eindruck hinterlassen, der achte
   Platz und damit der Einzug ins Mannschafts-
   finale sollte drin sein. Ich glaube zumindest
   fest daran, dass wir am Dienstag einen gu-
   ten Wettkampf abliefern. Mit der Unterstüt-
   zung der deutschen Fans natürlich.

     Dass es noch ein paar kleine Fehler gab?
   Was soll's. "Das war die Generalprobe, und da
   darf auch was schiefgehen", hat Robert Ju-
   ckel, unser Mannschaftssprecher, gesagt. Er
   hat recht. Bei mir war's ausgerechnet die
   Reck-Kür, mit der ich unbedingt das Finale am
   letzten WM-Tag erreichen möchte. Ein kleiner
   Hänger beim Adlerschwung mit ganzer Dre-
   hung, und deshalb beim anschließenden Flug-
   teil, dem Markelov, einige Mängel. Ich bin
   aber froh, dass ich nicht den Abflug gemacht
   und die Übung dann doch noch anständig zu
   Ende gebracht habe. Ich habe ja auch noch
   zwei Tage Zeit zum Üben. Zum Glück...

     Das Wichtigste war sowieso, das Feeling
   zu bekommen. Für die große Halle, für die
   Geräte. Das Reck zum Beispiel schwingt ganz
   anders, weil es auf einem Podium steht. Das
   ist gewöhnungsbedürftig. Aber die anderen
   Medaillenkandidaten müssen ja ans gleiche
   Gerät. Der italienische Olympiasieger Igor
   Cassina zum Beispiel. Aljaz Pegan, der Slo-
   wene. Oder Vlasios Maras, der Ex-Europa-
   meister aus Griechenland. Und die starken
   Jungs aus China und Japan. Was beruhigend
   ist: Mit meiner A-Note von 7,0 Punkten turne
   ich in der Quali schon eine der schwierigsten
   Übungen der Welt. Was noch besser ist:
   Wenn's nötig ist, könnte ich im Finale noch
   reagieren und den Wert sogar aufstocken.

     Aber so weit sollte ich jetzt vielleicht noch
   gar nicht denken. Wirklich wichtig ist, dass
   sich das Team für die Olympischen Spiele
   2008 in Peking qualifiziert. Erst dann darf je-
   der an sich selbst denken. Und vielleicht ein
   bisschen von einer Medaille träumen.
(Auszug: Sonntag Aktuell - Ausgabe vom 2. September 2007)