Geschichte des Turnens


Die Turn- und SportGemeinde Ehingen 1848 e.V. - mit heute rund 2000 Mitgliedern - ist ein Verein mit sehr langer Tradition. Bereits 1848, zur Zeit der Turnerbewegung, die vorallem auch in Süddeutschland äußerst stark war, wurde der Verein gegründet. Die Turner aus Württemberg und Baden gehörten damals zu den eifrigsten Verfechtern der 1848er Revolution. Die "körperertüchtigenden Übungen und Spiele", die zum Kampf gegen die tyrannischen Herrscher rüsten sollten, wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter Turnvater Friedrich Ludwig Jahn zu einem regelrechten Kult, bei dem viele mitfieberten. Nach und nach wurden (überwiegend im Südwesten) die ersten Turnvereine gegründet - so auch die TSG Ehingen. In der Revolution wurde dann an der Seite von Volksvereinen, Bürgerwehren, Demokraten und Republikanern tapfer für Freiheit, nationale Einheit und Bürgerrechte gefochten. Nach der gescheiterten Revolution schlossen sich die Vereine nach und nach immer mehr zusammen und bildeten erste Turngaue. Im Jahre 1859 wurde so beispielsweise der Turngau Ulm gegründet, wobei die TSG Ehingen hier als Gründungsmitglied eine tragende Rolle innehatte. Im Jahre 1889 wurde schließlich der alle deutschen Turnvereine umfassende Deutsche Turner-Bund (DTB) gegründet. Zumindest auf der sportlichen Ebene haben die Turner also ihre große Vision, die deutschen Einheit, wahr gemacht. Seit jeher standen beim Turnen zwar die "Leibesübungen" und "Bewegungsspiele" im Vordergrund, doch auch die Pflege der Gemeinschaft, der Bürgerrechte, wurden hoch gehalten und auch Debattierrunden waren an der Tagesordnung. So mancher trat also nicht ausschließlich zur "Körperertüchtigung", sondern auch aufgrund sozialer und gesellschaftlicher Aspekte einem Verein bei. Diese ganz eigenen Reize, die den Vereinssport im Besonderen attraktiv machen, wurden bis heute bewahrt. Das Gefühl für Gemeinschaft und Zusammenhalt wird heute durch Turnfeste und Trainingscamps und speziell bei der TSG Ehingen durch die zahlreiche gemeinsame Radtouren, Wanderungen, Ausflüge, Skiausfahrten, Vereinsfeste und letztlich durch den familiären Flaire deutlich.


Friedrich Ludwig Jahn - Statue in der Berliner Hasenheide
Friedrich Ludwig Jahn - Statue in der Berliner Hasenheide

Die Anfänge des Turnens unter Friedrich Ludwig Jahn

"Hier stehst du an der Geburtsstätte des deutschen Turnens", steht auf der Tafel an der uralten Eiche in der Berliner Hasenheide. An deren Ästen soll "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn 1810 erste Reckübungen gemacht haben. Jahn, Prignitzer Pfarrersohn, gilt als Begründer der deutschen Turnbewegung. An freien Nachmittagen zog der Hilfslehrer mit Schülern in die Hasenheide. Dort errichtete er 1811 den ersten deutschen Turnplatz. Die Leibesübungen begriff er als Vorbereitung auf den Kampf gegen die napoleonische Fremdherrschaft. Jahn nannte seinen Sport "Turnen" - abgeleitet vom Turnier. Zwischen 1814 und 1817 trimmten sich bereits 12.000 Turner. Jahns Turnbewegung erlitt aber einen herben Rückschlag: Da er gleichzeitig die Abschaffung der Standesschranken forderte und die Körperertüchtigung mit massiver Propaganda für einen deutschen Nationalstaat verband, wurden Jahns Bestrebungen von der preußischen Regierung bald als staatsgefährdend angesehen. 1819 wurde die Turnerei in der Hasenheide verboten. Ein Jahr später wurde die "Turnsperre" ausgerufen und Jahn verhaftet. Erst 1840 rehabilitiert ihn Friedrich Wilhelm IV. Ab 1844 konnte in der Hasenheide wieder geturnt werden. 1905 wurde Turnen in ganz Preußen Pflichtfach für Jungen und Mädchen. Nachdem im März 1848 in Preußen das freie Vereins- und Versammlungsrecht verkündet wurde, fanden sich am 16. April Berliner Bürger zusammen, die "erfüllt von Jahnschem Geiste dem Darniederliegen des Turnwesens in Stadt und Land entgegentraten und es selbst meistern wollten", wie es später in einem Zeitungsartikel hieß. Die "Turngemeinde in Berlin" (TiB), Berlins ältester Turnverein, wurde mit 58 Mitgliedern gegründet. Heute hat die TiB etwa 4000 Mitglieder.

(Auszug: Beliner Morgenpost - Extra zum Internationalen Deutschen Turnfest Berlin 2005)


DAS TURNERMOTTO
"Einst gab ich den Turnern den Wahlspruch: Frisch, frey, fröhlich, fromb! Mögen alle Turner
diese Worte in treuem Gedächtnis bewahren und im tätigen Leben beweisen. Die Worte stehen für:
  • Frisch nach dem Rechten und Erreichbaren streben das
    Gute tun, das bessere bedenken und das beste wählen.
  • Frei sich halten von der Leidenschaften Drang und
    der Vorurteile Druck und des Daseins Ängsten.
  • Fröhlich die Güter des Lebens genießen, nicht in Trauer ver-
    gehen über das Unvermeidliche, nicht im Schmerze er-
    starren, wenn die Schuldigkeit getan ist, und den Mut lassen,
    sich über das Missgelingen der besten Sache zu erheben.
  • Fromm die Pflichten erfüllen, leutselig und volklich, und
    zuletzt die letzte, den Heimgang. Dafür werden sie ge-
    segnet sein mit Gesundheit des Leibes und der Seele, mit
    Zufriedenheit, so alle Reichtümer aufwiegt, und erquicken-
    dem Schlummer nach des Tages Last und bei des Lebens
    Mühe durch sanftes Entschlafen."
(Friedrich Ludwig Jahn 1843 über das von ihm als Werbemittel geschaffene Turnermotto "Frisch, fromm, fröhlich, frei")

DAS FELSINGSYMBOL
Im Felsingsymbol, das erstmals zum Heidelberger Turnfest 1876 gezeigt wurde,
sind vier "F" abgebildet - die Anfangsbuchstaben des Turnermottos. Das Felsingsymbol
wurde auch in vielen anderen Ländern von Turnern übernommen. So zum Beispiel
in Frankreich, England, Italien, Spanien, Portugal, Schweden,
Dänemark und den Niederlanden.
Felsingsymbol

DIE TURNFESTE
Turnfeste haben eine lange Tradition. Von Beginn an gab es immer wieder
Treffen der Turnerschaft untereinander. So wurden Kontakte geknüpft und die
Vereine miteinander vernetzt. Heute gibt es Turnfeste vereinsintern, auf
Gauebene, auf Landesebene und auf Bundesebene.
Klicken Sie bitte hier um zu der Übersicht über die Deutschen Turnfeste seit dem Jahre 1860 zu gelangen!

DAS TURNERLIED
"Turner auf zum Streite", so heißt das unter Turnern wohlbekannte Turnerlied, das auch heute noch oft gesungen wird
- sowohl bei Vereinsveranstaltungen und der Barrennummer, als auch bei großen Turnfesten. Für mehr klicken Sie bitte hier!

DER TURNERGRUSS
Sie möchten mehr über die Symbolik und den Gruß "Gut Heil" der Turner erfahren? In seiner Arbeit hat
sich Prof. Dr. Harald Braun näher damit befasst [siehe auch unter www.dtb-online.de]. Klicken Sie dazu hier!



Beschreibung der Turngeräte

Barren

Pferd

Reck

Ringe