Freiwillige Helfer bei der Turn-WM

630 freiwillige Helfer bei der WM
Der große Auftritt
der weißen Taube
  
   630 freiwillige Helfer sorgen
   bei der Turn-WM in Stuttgart
   dafür, dass alles rund läuft.
   Die meisten arbeiten im Hin-
   tergrund, nur Baige wurde
   gestern zum Fernsehstar.
STUTTGART Hellblaue T-Shirts, zwei Stück, dazu eine Regenjacke für diejenigen, die draußen arbei- ten. Das ist der Lohn für eine Woche freiwillige Arbeit bei der Turn-WM in Stuttgart. "Aber wir machen das ja nicht, weil wir was verdienen wol- len", sagt Valerie Noller. Dabei sein will die Stuttgarterin, obwohl sie mit Turnen nichts am Hut hat. "Wir sind Volunteer-Touristen", sagt ihre Freundin Christiane Gelber. Bei der Fußball-WM hat alles an- gefangen, mit einem 18-seitigen, handgeschriebenen Bericht, den sie in die Mongolei faxen mussten. "Ich fand das alles interessant. Es hat Spaß gemacht die Atmosphäre mitzubekommen", erzählt Chris- tiane. Es folgten Fußball-Länder- spiele und das Leichtathletik-Weltfi- nale. Jetzt ist eben Turnen dran. Oder Baige, was so viel heißt wie "weiße Taube", die für die Journalis- ten aus der Volksrepublik sorgt. "Die ersten Tage musste ich nur Probleme lösen, weil sich die meis- ten hier gar nicht zurechtfinden. Dann war auch noch die Kamera ka- putt, und das ganze Material, dass sie gedreht haben, mussten sie weg- werfen", erzählt die 26-Jährige, die aus Tsingtao kommt, aber seit vier
 
   Jahren in Köln studiert. Mit Kuss-
   hand hatten die Verantwortlichen
   sie genommen, als sie sich auf eine
   Anzeige als Dolmetscherin bewor-
   ben hatte. Gestern wurde Baige
   zum Fernsehstar - gesehen von ei-
   nem turnbegeisterten Millionen-Pu-
   blikum und ihrer Familie zu Hause.
     Baige will nach dem Studium
   heim nach China, ein anderer Frei-
   williger denkt an einen Kurztrip
   nach Peking. Thomas Hindermann,
   Vater von Marie-Sophie, hat eben-
   falls das hellblaue Shirt überge-
   streift. Er hilft im Pressezentrum,
   hat aber auch familiäre Aufgaben,
   denn die beiden jüngeren Töchter
   Giulia und Lillia trainieren im Kunst-
   turn-Forum, und auch seine Frau,
   selbst Trainerin, ist im Dauerein-
   satz. "Aber wenn Marie dran ist,
   sind natürlich alle hier."
     Voll eingespannt ist auch die Ul-
   mer Turn-Familie Nolte. Martina als
   Dolmetscherin für die chinesische
   Delegation, ihre Schwester Dana ist
   für die englischen Ansagen in der
   Halle zuständig und Vater Gerd ist
   schuld, wenn die Turner zu spät
   kommen. Das aber ist bisher nicht
   passiert. "Eigentlich ist es ein locke-
   rer Job. Ich treib alle zusammen, be-
   gleite sie rein, dann setzt ich mich
   und schau zu." Bleibt die Frage, was
   macht Mutter Nolte? "Auf Enkel-
   tochter Paula aufpassen und die
   T-Shirts waschen" - das sagt zumin-
   dest ihr Mann. Die Wahrheit ist: Mi-
   lena Nolte stand gestern in der Trai-
   ningshalle.    Ute Gallbronner
(Auszug: Südwestpresse Tageszeitung - Ausgabe vom 4. September 2007)