Espen Jansen - Der Rekord-Jäger

Espen Jansen ist mit 38 Jahren der älteste WM-Teilnehmer
Der Rekord-Jäger
  
   Eine Urkunde hat Espen Jansen noch keine
   bekommen. Trotzdem ist der Norweger
   schon vor seinem Wettkampf morgen stolz.
   Zum 13. Mal nimmt er an einer Weltmeister-
   schaft teil. Damit ist er alleiniger Rekordhal-
   ter. Der Österreicher Thomas Zimmermann,
   der 2004 zurückgetreten ist, hat es auf
   zwölf Starts gebracht. Darüber hinaus hält
   der Mann mit den rotblonden Haaren und
   dem prägnanten Kinnbärtchen noch eine
   andere Bestmarke: mit 38 Jahren ist er
   der älteste Teilnehmer bei den Titelkämpfen
   in Stuttgart. "Ich fühle mich schon ein
   wenig privilegiert, der älteste Turner zu
   sein und noch mithalten zu können", sagt
   der vierfache Vater.
     Nur dabei sein - für Espen Jansen ist das
   nicht genug. "Mein Ziel ist es, mich jedes
   Jahr weiter zu entwickeln und neue Übungs-
   teile dazuzulernen", sagt er. Das ist dem
   elfmaligen norwegischen Mehrkampf-
   meister gelungen. Im vergangenen Jahr er-
   zielte er 81,75 Punkte im Sechskampf, in
   diesem Jahr waren es bei den Landesmeister-
   schaften 83,00. Und morgen will er diese Leis-
   tung noch einmal überbieten.
     Bei den verschiedenen Trainingseinheiten
   ging's recht locker zu bei den Norwegern.
   Kein Wunder. Mit nur drei Turnern können
   sich die Skandinavier nicht für die Olympi-
   schen Spiele im kommenden Jahr qualifizie-
   ren. Und neben Oldie Jansen gehören zwei
   Teenager zum Team: Lars Jorgen Fjeld ist
   18 Jahre alt, Joachim Hanche-Olsen ein
   Jahr älter. "Zusammen sind die beiden
   immer noch jünger als ich", sagt Jansen.
   Dann setzt der Skandinavier ein noch breite-
   res Grinsen auf: "Ich bin auch älter als unser
   Trainer Antti Palkola." Probleme wegen des
   großen Altersunterschieds gebe es keine,
   die Stimmung sei sehr gut.
     Zwischen den Weltmeisterschaften unter-
   scheidet sich das Leben des Familienvaters
   Espen Jansen nicht viel von dem anderer
   Turner. Die normalen Pflichten werden
   
 
   ums Training herum platziert. Wobei der
   Norweger auch Glück hat. Sein Geld ver-
   dient er im Osloer Gefängnis als Verant-
   wortlicher für Kultur und Sport. Den 370
   Häftlingen bietet er Kurse in Bodybuilding,
   aber auch im Turnen an Geräten an. Mit
   gutem Erfolg. "Diese Angebote werden sehr
   gut angenommen, weil die Insassen sich über
   das mehr an Kraft freuen, aber auch merken,
   dass sie ihrem Körper etwas Gutes tun." Und
   er selbst kann gleichzeitig auch einen Teil
   seines Trainings absolvieren. Der andere
   Teil folgt abends, wenn die vier Kinder im
   Bett sind. "So geht nicht so viel der gemein-
   samen Zeit verloren." Er hat dazu auch
   einige Geräte im Keller stehen. Das alles sei,
   so betont Jansen, nicht "ohne meine nette
   Frau möglich, die mir das erlaubt".
     Fürs kommende Jahr plant die Familie
   Jansen einen Umzug in ein neues Haus. Das
   auch näher am Trainingszentrum eines
   Turnvereins liegt. Espen Jansen will dann
   seine Kinder im Alter zwischen drei und
   zehn Jahren überreden, mit dem Gerätetur-
   nen zu beginnen. Er selbst möchte sie als
   Trainer betreuen. Ob's wirklich so weit
   kommt? Der Turn-Oldie hofft's inständig,
   doch sein Blick verrät große Skepsis.
     So häufig der Norweger schon bei Welt-
   meisterschaften war, in Stuttgart war Espen
   Jansen, der sich selbst als klassischer Mehr-
   kämpfer sieht, erst dreimal beim DTB-Po-
   kal. "Kurz vor der Weltmeisterschaft 1989
   habe ich mich verletzt", berichtet der 1,79
   Meter große Sportler. Wobei seine Verlet-
   zungsanfälligkeit mit zunehmendem Alter
   abgenommen habe. Und seine Leistungen
   zugenommen. Insofern besitzt Espen Jansen
   durchaus Parallelen zu einem guten Wein,
   der mit zunehmendem Alter auch immer
   besser wird. "Wenn ich mein Niveau nicht
   mehr halten kann, dann höre ich auf", sagt
   der Norweger. Einen Zeitpunkt in absehba-
   rer Zukunft hat er noch längst nich ausge-
   macht.                      Klaus-Eckhard Jost
(Auszug: Sonntag Aktuell - Ausgabe vom 2. September 2007)