Ergebnis der ersten Qualifikation für die WM in Aarhus

Tübingerin Kim Bui gewinnt WM-Qualifikation der Frauen
Hambüchen jubelt
über Lou Yun
 
 Fabian Hambüchen hat sein
 Revier abgesteckt: Bei der ers-
 ten Qualifikation der deut-
 schen Turner für die WM im
 dänischen Aarhus setzte sich
 der 18-Jährige in Berlin mit
 90,70 Punkten klar durch. Er
 hat im Oktober ernsthafte
 Ambitionen auf seine erste
 WM-Medaille.
BERLIN. Fabian Hambüchen ist auf einem guten Weg in Richtung WM Ende Oktober in Dänemark. Da- gegen musste die Frauen-Riege ei- nen herben Rückschlag hinnehm- men: Katja Abel riss sich beim Ein- turnen zwei Außenbänder des lin- ken und ein Band des rechten Fu- ßes und muss nun um ihre WM-Teil- nahme bangen. Mit Tränen in den Augen wurde die 23-jährige Berline- rin in das Virchow-Klinikum ge- bracht, endgültiger Aufschluss über die Schwere der Verletzungen wird es erst heute geben. "Für die deutschen Meisterschaf- ten Anfang September fällt sie auf je- den Fall aus. Aber Katja ist in unse- rer WM-Riege nicht zu ersetzen. Ich halte ihr bis zum letzten Tag einen Platz frei", kündigte Cheftrainerin Ulla Koch an. In Abwesenheit der Berlinerin war das Feld für Kim Bui (Tübingen/55,35) frei, die einen sehr guten Vierkampf machte. "Zwei Monate vor der WM ist die Form da, und die ist nun noch aus- baufähig", zog Fabian Hambüchen ein positives Fazit, obwohl ihm zum Auftakt am Seitpferd ein schwerer
 
 
     Patzer beim Abgang unterlaufen war
     (13,10 Punkte). "Danach musste ich
     angreifen, und das ist mir gelungen",
     meinte der Abiturient, der nun in
     der letzten Ferienwoche den Kopf
     wieder in die Schulbücher stecken
     will. An seinem Spezialgerät, dem
     Reck, glänzte er mit einer fast per-
     fekten Übung (15,8 Punkte), wobei
     er den Jägersalto als vierten Flugteil
     wegließ. Bei der WM könnte er mit
 
 
 diesem Element den Ausgangswert
 von 6,4 auf 6,6 erhöhen und damit
 schwierig turnen wie kein anderer.
   Der Tageshöchstwer gelang ihm
 mit 16,25 Punkten beim Sprung, wo
 er ebenso wie am Boden gleichfalls
 Final-Hoffnungen für Aarhus hegt.
 "Am Boden hat der Lou Yun in der
 ersten Reihe gut geklappt", meinte
 er stolz nach seinem Zweifach-Salto
 seitwärts mit Dreivierteldrehung.
   Trotzdem gibt Cheftrainer An-
 dreas Hirsch Hambüchen keinen
 Freibrief, in Aarhus auch den Sechs-
 kampf zu turnen: "Priorität hat das
 Team. Und wenn es andere gibt, die
 an Seipferd oder Ringen besser
 sind, dann muss er sich auf seine
 vier guten Geräte konzentrieren."
   In Berlin sah sich Hambüchen ei-
 ner überraschend starken Konkur-
 renz durch den nur ein Jahr älteren
 Philipp Boy ausgesetzt. Der Cottbu-
 ser turnte einen stabilen Sechs-
 kampf und düpierte mit 88,65 Zäh-
 lern alle Etablierten. "Für mich ist
 diese Leistung keine Überraschung,
 aber er turnte heute so kontinuier-
 lich wie nie", lobte Hirsch, der sich
 freute, dass vier der sechs Bestplat-
 zierten 19 Jahre oder jünger waren.
   "Wir haben endlich wieder Kon-
 kurrenz, und das ist gut. Aber es
 gibt noch viel zu tun." Auch Eugen
 Spiridonov (Bous) wollte er wegen
 Platz neun nicht verdammen. "Er
 hat Kämpfer-Qualitäten bewiesen,
 ist trotz Schulterproblemen und
 Fleischwunden an den Händen an-
 getreten", sagte Hirsch.   dpa
  
(Auszug: Südwestpresse Tageszeitung - Ausgabe vom 21. August 2006)