Deutsches Frauenturnen in einer Krise?

Nur Daria Bijak konstant auf Spitzen-Niveau
Dünne Personal-Decke
 
 Daria Bijak macht den Turne-
 rinnen Hoffnung für die WM.
 Doch bei den deutschen Meis-
 terschaften wurde erneut of-
 fenbar: Nur wenige haben  in-
 ternationales Niveau.
STUTTGART. Daria Bijak ist der- zeit dabei ihr Studium in Salt Lake City zu organisieren. So jettete die Mehrkampf-Achte der vergangenen WM kurz vor den Meisterschaften über den großen Teich und kehrt mit zwei Titeln heute wieder zurück - und das nach einer Meniskus-Ope- ration im Frühjahr. "Es war ein tol- les Comback für Daria", sagte Bun- destrainerin Ulla Koch: "Sie wird un- serer Mannschaft in Aarhus Sicher- heit geben." Eine Sicherheit, die nach dem ver- letzungsbedingten Ausfall der Berlin- erin Katja Abel dringend von Nö- ten ist. Denn hinter Bijak (56,800 Punkte) ist nur noch Kim Bui eine
 
 feste Mehrkampf-Größe (54,400).
 Die 17-Jährige, die in Ehningen
 wohnt und für die TSG Tübingen
 startet, hat in Stuttgart bewiesen,
 dass sie sich in diesem Jahr enorm
 weiterentwickelt hat, vor allem was
 die Konstanz ihrer Übungen an-
 geht. "Mehr wollen wir ihr noch
 nicht aufbürden", sagt Ulla Koch,
 die außerdem Jenny Brunner
 (Chemnitz) und Heike Gunne (Nie-
 dergirmes) nominierte.
   Dahinter kämpfen fünf Athletin-
 nen, die alle an einigen Geräten Stär-
 ken haben, aber eben nicht an allen
 vier komplett sind, um das verblei-
 bende WM-Ticket und den Reservis-
 tenplatz für Aarhus. "Wir werden se-
 hen, wie sich das Team ergänzen
 lässt", meint Ulla Koch, die froh ist,
 dass es erst im September 2007 rich-
 tig ernst wird: Dann geht es in Stutt-
 gart um die Qualifikation für die
 Olympischen Spiele in Peking.  uwe
  
(Auszug: Südwestpresse Tageszeitung - Ausgabe vom 4. September 2006)