Der DTB-Pokal 2007 - Eine Flaute?

Der Schwäbische Turner-Bund feiert mit Fabian Hambüchen und hofft auf Mädchen-Schwarm Helge Liebrich
Zum Freudenfest ein Pauschenpferd mit ganz viel Butter drin
 
 Der DTB-Pokal hat unter Tur-
 nern einen guten Ruf. Das
 Weltcup-Turnier ist Sinnbild
 für die Anstrengungen des
 Schwäbischen Turner-Bun-
 des an die Spitze zu kommen
 - bodenständig und doch in-
 ternational   ambitioniert.
 Nur ein Hambüchen aus dem
 Ländle, der fehlt noch.

 STUTTGART. Der DTB-Pokal ist
 der Höhepunkt des Turnjahres in
 Deutschland. Normalerweise. Aber
 2007 ist alles anders, der Weltmeis-
 terschaft wegen, die vor zwei Mona-
 ten fast am gleichen Fleck stattge-
 funden hat. Ausgerechnet zum 25.
 Geburtstag ist die Stuttgarter Arena
 nicht voll, und auch die Stars ma-
 chen sich rar - sie sind gedanklich
 schon auf dem Weg nach Peking.
   "Wir sind in einem Übergangs-
 jahr. Damit mussten wir rechnen",
 sagt Robert Baur gelassen. Aber wer
 den Geschäftsführer des Schwäbi-
 schen Turner-Bundes (STB) kennt,
 der weiß, dass es ihn fuchst. Denn
 der DTB-Pokal ist sein liebstes
 Kind. Für neue Wettkampfformen
 hat er gekämpft, um den Sport fern-
 sehfreundlich zu machen. Manch-
 mal gegen Windmühlen, oft auch er-
 folgreich. Letztlich hat das Turnen
 aber nur eins gebraucht: Einen Star
 wie Fabian Hambüchen. Und weil
 sich der gestern die Ehre gab, waren
 die Ränge etwas voller - auch wenn
 der Hesse nur Gast war.
   Machen nicht reden, ist das
 
  
  Motto derer, die beim DTB-Pokal               Die 63-Jährige aus Ebersbach ist               dener Bäckerei Rau das Kunstwerk
  die Fäden ziehen. Fast alle kommen        auch so ein DTB-Pokal-Urgestein.                geformt - natürlich mit viel Butter
  vom STB, manche sind seit einem           Eigentlich in Rente, aber als "gute                drin. Gestern überreichte es Turnier-
  Vierteljahrhundert dabei. Ihren Rat         Seele" teilzeitweise von Baur zu-                   direktor Valeri Belenki.
  wissen auch die Sportler zu schät-          rückgeholt. Ihre Idee: Eine Pau-                        So sehr sie den "Fabi" in Stuttgart
  zen, beispielsweise wenn es um ein        schenpferd-Torte, damit Hambü-                   schätzen, ein eigener, ein schwäbi-
  Geburtstagsgeschenk für ihren Vor-       chen sein Zittergerät besser be-                     scher Star, geht dem STB ab. Die Tü-
  turner geht. Ein 08/15-Päckchen               bekommt - Liebe geht ja bekannterma-         bingerin Marie-Sophie Hinder-
  sollte es nicht sein zum 20. Geburts-        ßen durch den Magen. Schnell war             mann ist auf einem guten Weg, aller-
  tag, den Hambüchen am vergange-         eine Turnfreundin gefunden, die                  dings musste auch sie am Wochen-
  nen Donnerstag feierte. Ingrid Flo-         auch noch das Konditor-Handwerk              ende passen. Nun hoffen sie auf
  gaus wusste Rat.                                        beherrscht. So wurde in der Roßwäl-            Helge Liebrich, der erstmals den
 
Platz auf der Tribüne mit dem auf
der Matte tauschte. "Ich war wahn-
sinnig aufgeregt. Fast wie im Finale
bei der Junioren-EM letztes Jahr. Da
wusste ich am Boden auch nicht
mehr, mit welchen Fuß ich anlau-
fen muss", erzählt der Göppinger.
  Prompt ging der erste Sprung,
ein Jurtschenko mit zweieinhalb
Schrauben, daneben. "Ich hab ir-
gendwie gar nichts mitgekriegt. Erst
als ich auf die Fersen geknallt bin",
beschreibt Liebrich. Statt nach
vorne, ging es nacht hinten, und da
war nichts mehr zu retten. Aus der
Traum von der Final-Qualifikation.
"Das waren nur 50 Prozent von
dem, was er kann", sagte Trainer
Klaus Nigl. So gesehen, darf man
von Liebrich noch viel erwarten.
  Der 19-Jährige will sich für die
Spiele in Peking qualifizieren. Des-
halb hat er den kleinen Eingriff an
der lädierten Supraspinatus-Sehne
auf den Tag vor Weihnachten ge-
legt, um möglichst wenig Training
zu verpassen. Seine Übungen sollen
schwerer werden, vor allem am Para-
degerät Sprung: Sowohl beim Jurt-
schenko als auch beim Tsukahara,
den er bislang mit Doppelschraube
springt, will er noch eine halbe Dre-
hung draufsatteln. Dann wäre er in
der Weltelite vorn dabei. Was die
Groupies angeht, macht Liebrich
Hambüchen schon jetzt Konkur-
renz: "Der isch a Mädle-Schwarm",
wurde in der Porsche-Arena festge-
stellt. Durchaus wohlwollend.
 Ute Gallbronner
(Auszug: Südwestpresse Tageszeitung - Ausgabe vom 29. Oktober 2007)